Energiewende braucht Grünes Gas

Grüne Gase (wie Biomethan oder Wasserstoff) sind unverzichtbare Elemente in einem zukünftig dekarbonisierten Energiesystem. Das wurde bei einem ÖVGW-Pressegespräch am 30. September 2020 deutlich.

Harald Raupenstrauch (Professor für Thermoprozesstechnik an der Montanuniversität Leoben) beschrieb den großen Vorteil der Nutzung von Grünen Gasen: "Sie können über die bereits vorhandene Infrastruktur gespeichert und verteilt werden. Erdgasleitungen, Untergrundspeicher und Kunden-Endgeräte werden auch für die Grünen Gase genutzt und so der Energiebedarf für Raumwärme und Warmwasser auf kosteneffiziente Weise erneuerbar abgedeckt.

Harald Raupenstrauch (li) und Michael Haselauer informierten über die Vorteile von Wasserstoff und Biomethan.

Bei einer weitgehenden Elektrifizierung der Energienachfrage wären hingegen große Investitionen in Übertragungsleitungen und Speicherlösungen notwendig. Dazu kommt, dass in absehbarer Zeit einfach nicht genügend erneuerbarer Strom zur Verfügung stehen wird, um eine „All-Electric-World“ zu schaffen, in der zusätzlich zum Industriebedarf auch noch große Strommengen für Raumwärme und Mobilität benötigt werden.

Damit Grüne Gase genauso sicher und zuverlässig wie Erdgas zum Einsatz kommen können, wird derzeit das ÖVGW-Regelwerk angepasst. ÖVGW-Vizepräsident Michael Haselauer teilte mit, dass bereits die ersten technischen Richtlinien für den schrittweisen Wechsel von fossilem auf Grünes Gas erarbeitet sind – z.B. für die exakte Abrechnung gemäß dem jeweiligen Brennwert bei Gasgemischen mit wechselnden Wasserstoffanteilen.

 

Kein bzw. geringer Anpassungsbedarf bei Endgeräten

Prof. Raupenstrauch zufolge kann Biogas in Form von Biomethan fossiles Gas zu 100 Prozent ersetzen, ohne Adaptierungen an den Kunden-Endgeräten vornehmen zu müssen. Dasselbe gilt, wenn bis zu 4 % Wasserstoff dem herkömmlichen Erdgas beigemischt werden. Werden die Brenner-Einstellungen an die Gasmischung angepasst, kann sie bis zu 10 % Wasserstoff aufweisen. „Und zwar ohne dabei wirklich viel an der Brennertechnik verändern zu müssen“, so der Experte aus Leoben.

 

Geeignete Rahmenbedingungen nötig

Damit es künftig genügend Grünes Gas gibt, wird allerdings – so ÖVGW-Vizepräsident Haselauer – ein Fördersystem ähnlich dem für Ökostrom benötigt. Im Entwurf des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes war davon nichts zu finden. Die Gaswirtschaft wird aber weiter das Gespräch mit der zuständigen Bundesministerin Gewessler suchen, um das große Potenzial von Grünen Gasen für die Dekarbonisierung des Energiesystems deutlich zu machen.